Konkubinat in der Schweiz: Das solltest du wissen

Steuern, Vorsorge, Erbrecht oder Wohneigentum: Wer im Konkubinat lebt, sollte die wichtigsten finanziellen und rechtlichen Themen frühzeitig kennen.

Immer mehr Paare in der Schweiz entscheiden sich bewusst für das Zusammenleben ohne Trauschein. Das Konkubinat bietet viele Freiheiten, bringt jedoch auch rechtliche und steuerliche Besonderheiten mit sich.

Im Gegensatz zur Ehe entstehen zahlreiche Rechte und Pflichten nicht automatisch. Deshalb lohnt es sich, die eigene Situation frühzeitig zu prüfen und wichtige Themen wie Steuern, Vorsorge, Erbrecht oder gemeinsames Wohneigentum zu regeln.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Punkte für unverheiratete Paare besonders wichtig sind.

Was bedeutet das Konkubinat in der Schweiz?

Das Konkubinat bezeichnet das Zusammenleben zweier Personen in einer auf Dauer angelegten Partnerschaft ausserhalb der Ehe. Es handelt sich dabei nicht um einen eigenen Zivilstand. Deshalb bestehen, anders als bei Ehepaaren, nur wenige gesetzliche Regelungen.

Viele Fragen müssen Konkubinatspartner selbst regeln. Dazu gehören insbesondere finanzielle Vereinbarungen, gemeinsames Vermögen sowie die gegenseitige Absicherung. Wer diese Themen frühzeitig angeht, schafft Klarheit und reduziert das Risiko für spätere Konflikte.

Wie werden Konkubinatspartner besteuert?

Konkubinatspartner reichen ihre Steuererklärung getrennt ein. Einkommen, Vermögen und Schulden werden nicht gemeinsam versteuert, sondern derjenigen Person zugeordnet, der sie wirtschaftlich oder rechtlich zustehen.

Je nach persönlicher Situation können insbesondere folgende Themen relevant sein:

  • Kinderabzug
  • Fremdbetreuungsabzug
  • Deklaration gemeinsamer Liegenschaften
  • Hypotheken und Schuldzinsen
  • Vermögensaufteilung

Bei gemeinsamen Kindern oder Wohneigentum lohnt sich eine sorgfältige Prüfung, da sich die steuerliche Behandlung je nach Kanton unterscheiden kann.

Wann ist ein Konkubinatsvertrag sinnvoll?

Ein Konkubinatsvertrag ist freiwillig, kann aber in vielen Situationen Klarheit schaffen. Unter anderem können folgende Punkte vertraglich festgehalten werden:

  • Aufteilung der laufenden Kosten
  • eingebrachte Vermögenswerte
  • gemeinsame Investitionen
  • Darlehen zwischen den Konkubinatspartnern
  • Regelungen für den Fall einer Trennung

Besonders empfehlenswert ist ein Konkubinatsvertrag, wenn gemeinsames Wohneigentum besteht, die Konkubinatspartner ein gemeinsames Kind haben oder ein Partner finanziell deutlich höhere Beiträge leistet.

Welche Folgen hat das Konkubinat im Erbrecht?

Konkubinatspartner sind keine gesetzlichen Erben. Verstirbt ein Partner ohne Testament oder Erbvertrag, erhält der überlebende Konkubinatspartner keinen Anteil am Nachlass.

Auch steuerlich bestehen Unterschiede zur Ehe. In vielen Kantonen profitieren Ehegatten von Erleichterungen bei der Erbschafts- oder Schenkungssteuer, während diese Vorteile für Konkubinatspartner häufig nicht gelten. Wer den Partner absichern möchte, sollte deshalb die erbrechtlichen und steuerlichen Folgen frühzeitig prüfen.

Was gilt bei Vorsorge und persönlicher Absicherung?

Auch bei der Vorsorge bestehen keine automatischen Ansprüche wie bei einem Ehevertrag. Ob Leistungen aus der Pensionskasse oder anderen Vorsorgelösungen an den überlebenden Konkubinatspartner ausgerichtet werden, richtet sich nach den jeweiligen gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen.

Folgende Bereiche solltest du regelmässig überprüfen:

  • Leistungen der Pensionskasse
  • Freizügigkeitsguthaben
  • Säule 3a und Säule 3b
  • Lebensversicherungen
  • Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung

So stellst du sicher, dass dein Konkubinatspartner im Ernstfall möglichst gut abgesichert ist.

Was ist bei einer Trennung zu beachten?

Eine Trennung im Konkubinat ist grundsätzlich ohne gerichtliches Verfahren möglich. Dennoch können insbesondere gemeinsames Vermögen, Wohneigentum oder bestehende Darlehen zu komplexen Fragestellungen führen.

Besondere Aufmerksamkeit ist unter anderem erforderlich bei:

  • der Aufteilung gemeinsamer Vermögenswerte,
  • der Übernahme einer Liegenschaft,
  • bestehenden Hypotheken,
  • möglichen Grundstückgewinnsteuern,
  • Handänderungssteuern.

Wer Investitionen und Eigentumsverhältnisse von Beginn an sauber dokumentiert, schafft eine deutlich bessere Grundlage für den Fall einer späteren Trennung.

Fazit

Das Konkubinat bietet viel Freiheit, verlangt aber auch mehr Eigenverantwortung als die Ehe. Wenn du dich frühzeitig mit Steuern, Erbrecht, Vorsorge und gemeinsamen Vermögenswerten auseinandersetzt, schaffst du klare Verhältnisse und kannst finanzielle Risiken reduzieren.

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